Das Herz unserer Stromversorgung
Ein Blick in die neue Netzleitstelle – Hanaus Energiezukunft
Wenn in Hanaus Straßen die Lichter angehen, ist das das Ergebnis sorgfältiger Arbeit und ständiger Aufmerksamkeit von Menschen, die sehr genau wissen, was sie tun: die Mitarbeitenden der Netzleitstelle Hanau. Sie verantworten, dass die Energie jederzeit zuverlässig fließt – auch dann, wenn Stürme toben, Netze schwanken oder die Technik an ihre Grenzen stößt.
Es ist kurz nach sechs Uhr morgens, wenn René Dauth seinen Arbeitsplatz betritt: die neue Netzleitstelle, in der jetzt alle Fäden von Hanaus Stromversorgung zusammenlaufen – rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres. Jeden Morgen ist er aufs Neue beindruckt von dem, was er sieht. Die Räumlichkeiten und hochmodernen Systeme zeigen ihm, dass dieser Schritt und somit auch die Entscheidungen der letzten Jahre die richtigen waren. Wenn er erlebt, wie kollegial die Schichtübergabe jedes Mal stattfindet, freut er sich sehr. Genau so hatte er sich das neue Arbeitsklima vorgestellt.
Ein neues Zuhause.
Dauth leitet die Abteilung Netzführung und Sekundärtechnik bei der Stadtwerke-Tochter Hanau Netz. Hier hat er nach seiner Ausbildung seinen beruflichen Anfang genommen und 2012 seinen Meister erfolgreich absolviert. Heute steht er an der Spitze eines Teams, das dafür sorgt, dass in Hanau das Licht leuchtet, wenn es soll.
„Als die Leitstelle in Betrieb ging, war das für mich, wie nach einem Marathon über die Ziellinie zu laufen“, erinnert er sich. „Es war die pure Erleichterung.“ Eine intensive Zeit der Planung, des Aufbaus und der Rekrutierung lagen hinter ihm und seinem Team. Mit der neuen Netzleitstelle wurde die Leitstellenarbeit nach Hanau geholt. Zuvor war diese organisatorisch und lokal anders aufgestellt – funktional, aber distanzierter. Jetzt, da sie in Hanau ist, verändert das vieles. Die räumliche Nähe ist das eine. „Wir arbeiten wieder mit Kollegen zusammen, die wir gut kennen und die sich gegenseitig ergänzen“, betont er. „Das begünstigt unser Vertrauen in die Sache. Und vor allem: Es macht großen Spaß.“
Die Leitstelle selbst ist ein Raum prall gefüllt mit Konzentration. Die großen Monitore an der Stirnwand zeigen das Stromnetz in Echtzeit. Davor sitzen die Schaltmeister mit ihren Headsets und fokussierten Blicken. Ihre Aufgaben: alle Meldungen protokollieren und jede Schalthandlung dokumentieren. Bedächtig ruhig ist es, ähnlich wie in einem Fluglotsenturm – mit dem Unterschied, dass hier Megawattstunden anstatt Flugzeuge koordiniert werden.
Die erste Schaltmeisterin.
Isabell Bergmann ist seit dem 1. März Teil des Teams. Sie ist die erste weibliche Schaltmeisterin bei Hanau Netz. Auch wenn sie neu im Unternehmen ist, bringt sie viel Erfahrung mit. Bei früheren Arbeitgebern hat sie gelernt, was es heißt, Verantwortung für ein Netz zu tragen. Jetzt sitzt sie in der Frühschicht, vor ihr ein Bildschirm voller Symbole, neben ihr eine Tasse Tee. „Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben“, sagt sie. „Die Kollegen sind jederzeit bei Fragen ansprechbar. Ich lerne täglich etwas Neues und freue mich darüber, dass ich hier in einer neuen Leitstelle mit einem neuen Team und völlig neuen Rahmenbedingungen arbeiten kann. Das ist schon etwas Besonderes und perfekt für meine persönliche Weiterentwicklung.“
Ein typischer Arbeitstag beginnt auch bei ihr mit der obligatorischen Übergabe, bei der der Nachtdienst aus seiner Schicht berichtet: welche Meldungen reinkamen, welche Schaltungen durchgeführt worden sind und wo es offene Baustellen gibt. Dann übernimmt Bergmann. Sie prüft die Systeme und checkt die Wetterlage. Sturm kann Leitungen beschädigen, Hitze die Transformatoren belasten. Sie schaut auf die Lastverteilung.
»Ich lerne täglich etwas Neues und freue mich darüber, dass ich hier in einer neuen Leitstelle mit einem neuen Team und völlig neuen Rahmenbedingungen arbeiten kann.«
Wo wird gerade viel Strom verbraucht, wo weniger? Dann beginnt ihre Routine. Sie nimmt Meldungen an, priorisiert, gibt weiter, bereitet Schalthandlungen vor und kommuniziert mit den Monteuren.
„Wenn ein Alarm eingeht, ist es wichtig, überlegt zu handeln“, sagt sie, „die Lage ganz rational zu bewerten und nach den festgelegten Verfahren vorzugehen.“ Manchmal ist es nur eine defekte Straßenlaterne, manchmal aber auch ein Kabelschaden, der gleich hunderte Haushalte betrifft. Dann wird es schon ein wenig hektischer, aber nie chaotisch.
„Ich kann ruhig bleiben, weil ich weiß: Ich bin nicht allein im System. Es gibt Meldeketten und Bereitschaftshabende, die sofort informiert werden.“ Auf die Frage, wie sie mit der Konzentration über Stunden umgeht, antwortet sie pragmatisch: „Gezielte Pausen, frische Luft und die richtige Verpflegung helfen dabei, über längere Zeit aufmerksam zu bleiben. Die neue Netzleitstelle bietet hierfür moderne Arbeitsbedingungen.“
Die neue Netzleitstelle: Zahlen und Fakten
Besetzung:
24/7 im Schichtbetrieb
Aufgaben:
Störungsannahme, Priorisierung, Koordination, Schalthandlungen, Kommunikation mit Monteuren und Behörden
Netzlänge Hanau Netz:
ca. 1.000 km Strom- und Gasnetz im Stadtgebiet
Besonderheit:
Rückkehr nach Hanau nach Jahren der Auslagerung nach Frankfurt – räumliche und fachliche Nähe zum Betrieb in Hanau
Wenn die Stadt schläft, wacht die Leitstelle.
Es ist drei Uhr nachts, die meisten Menschen in Hanau schlafen und schenken ihrem Organismus Ruhe für den kommenden Tag. In der Netzleitstelle hingegen brennt Licht, auf den Monitoren flackern Datenpunkte und im Hintergrund summt die Klimaanlage. Isabell Bergmann, die heute für die Nachtschicht zuständig ist, sitzt allein vor den Bildschirmen, hellwach und konzentriert. Plötzlich ertönt ein lauter Gong. Die Meldung: Spannungsabfall in einem Ortsteil. Bergmann öffnet das Protokoll und prüft die Daten. Kein Totalausfall, aber eine Anomalie. Sie ruft den Bereitschaftsdienst an und erklärt die Situation, zehn Minuten später ist schon ein Montagetrupp unterwegs.
„Die 24/7-Besetzung ist das Rückgrat unserer Versorgungssicherheit“, erklärt ihr Vorgesetzter René Dauth. „Wir können nicht warten, bis am nächsten Morgen jemand ins Büro kommt. Strom arbeitet rund um die Uhr – also müssen wir es auch tun, so könnte man sagen.“ Diese ständige Verantwortung spürt das Team jeden Tag. „Die Verantwortung ist uns jederzeit bewusst“, sagt er. „Wir wissen, dass die Menschen sich darauf verlassen, dass die Energieversorgung gewährleistet ist.“
Verantwortung, die ernst genommen wird.
Das, was im Alltag wenig Beachtung findet, spüren die Menschen meist dann erst, wenn es nicht funktioniert. Doch genau das ist das Ziel der Netzführung – dass es gar nicht erst so weit kommt. „Alles hängt miteinander zusammen“, sagt Dauth. „Jede Leitung, jedes Relais, jede Meldung bekommt sofort einen Kontext. Wir sehen nicht nur Technik – wir sehen Stadtleben." Wenn abends die Lichter in den Wohnungen angehen, wenn morgens die Bäckereien ihre Öfen anwerfen, wenn mittags die Schulen ihre Mensen betreiben: Hinter all dem steht die Arbeit der Netzleitstelle.
Auf die Frage, ob ihn der Gedanke an mögliche Blackouts beunruhigt, antwortet Dauth ruhig: „Gerade, weil das Thema so präsent ist, nehmen wir es sehr ernst. Aber Panik ist kein Werkzeug. Wissen, Vorbereitung und Zusammenarbeit sind es.“ Ein Blick nach Berlin zeigt, dass großflächige Stromausfälle keine Theorie sind. In Hanau sorgen Dauth, Bergmann und Co. dafür, dass es gar nicht erst so weit kommt.
Wenn abends die Lichter leuchten.
Wenn Isabell Bergmann abends durch Hanau fährt und überall die Lichter leuchten, wird ihr bewusst, wie selbstverständlich Strom im Alltag ist. „Dahinter steht ein System, das durch Kolleginnen und Kollegen kontinuierlich gepflegt, erneuert und 24/7 überwacht wird“, sagt sie. Für René Dauth ist genau das der schönste Moment: „Wenn alles ruhig läuft, weiß man, dass man gute Arbeit geleistet hat."
Was bleibt, ist das Bewusstsein, dass Versorgungssicherheit kein abgeschlossenes Kapitel ist. Neue Herausforderungen entstehen täglich: ob durch E-Mobilität, Wärmepumpen oder dezentrale Einspeisung. „Wir arbeiten heute an den Lösungen von morgen“, erläutert Dauth, sichtlich stolz. „Unser Ziel ist es, Stabilität zu sichern, auch wenn alles im Wandel ist.“ Das Team sieht sich als Teil eines großen Ganzen, ein unsichtbares Rückgrat, das Hanaus Alltag am Laufen hält. Hier herrscht die absolute Konzentration im Moment, um Sicherheit für die Zukunft zu schaffen.
»Wenn alles ruhig läuft, weiß man, dass man gute Arbeit geleistet hat.«