Drohnenaufnahme von Häusern, die durch eine Straße von einem Fluss getrennt sind, im Hintergrund ist eine Stadt zu erkennen.
#Geplant #2025 #Wirtschaftlicher Erfolg #Versorgungssicherheit Juli 2025

Netzplanung mit Weitblick: Wie sich Hanau auf Wasserstoff vorbereitet

In einem Besprechungsraum liegt eine detaillierte Karte des Gasnetzes ausgebreitet. „Sehen Sie? Das hier ist bereits wasserstofffähig“, sagt Dr. Julian Mosbach und zeigt auf einen der Abschnitte. Als Bereichsleiter Netze Gas/Wasser bei der Stadtwerke-Tochter Hanau Netz GmbH kennt er die technischen Details: Rund 98 Prozent des Hanauer Gasnetzes gelten als geeignet für Wasserstoff – im bundesweiten Vergleich ein guter Wert.

Vorsprung durch Weitsicht.

Wenn Dr. Mosbach über das Thema Wasserstoff spricht, wird deutlich, dass er bei der Sache ist. Seit drei Jahren arbeitet er intensiv am Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP) mit, einem bundesweiten Projekt, das die Grundlagen für die Wasserstoffnutzung in den bestehenden Gasnetzen schafft.

„Als wir mit den ersten Untersuchungen begannen, waren wir selbst erstaunt, wie gut wir bereits aufgestellt sind“, erzählt Dr. Mosbach. „Wir haben unser bestehendes Gasnetz überprüft und insbesondere hydraulisch untersuchen lassen. Das Ergebnis hat uns positiv überrascht: Unser Netz in Hanau erfüllt schon heute viele Anforderungen, um perspektivisch Wasserstoff nutzen zu können.“

Diese hervorragende Ausgangslage ist kein Zufall. „Wir profitieren heute von strategischen Entscheidungen, die in den letzten Jahrzehnten getroffen wurden.“ Er deutet auf die Karte. „Die Durchmesser unserer Rohre passen für die geänderten hydraulischen Bedingungen im Netz, die Wasserstoff mit sich bringt. Wären heute schon größere Mengen Wasserstoff verfügbar, könnten wir aus hydraulischer Sicht bereits heute das Netz ohne große Anpassungen auf 100 Prozent Wasserstoff umstellen. Im Hinblick auf die verbauten Netzkomponenten könnten wir quasi sofort 20 Prozent beimischen, ohne am Netz etwas ändern zu müssen.“

Dr. Julian Mosbach, der Bereichsleiter Netze Gas/Wasser bei der Stadtwerke-Tochter Hanau Netz GmbH, steht im Anzug in einem Flur am Fenster und lächelt in die Kamera.

Detailarbeit für die Energiewende.

Trotz der guten Ausgangslage gibt es noch einiges zu tun. Mit seinem Team widmet sich Dr. Mosbach derzeit akribischer Detailarbeit. „Wir überprüfen systematisch alle Armaturen, allen voran die Schieber, die verbaut wurden“, erklärt er. „Das erfordert viel Geduld. Früher hat niemand dokumentiert, wer der Hersteller eines Schiebers war – das war damals einfach nicht relevant. Heute brauchen wir diese Informationen, um die Wasserstofffähigkeit der Komponenten bewerten zu können“.

Diese Arbeit ist aufwändig und zeitintensiv. „Heute erfassen wir jedes einzelne Bauteil: Wer ist der Hersteller? Aus welcher Charge stammt es? An welchem Tag wurde es produziert, und natürlich auch, wo genau haben wir es verbaut?“ Sein Team hat inzwischen das gesamte Netz digitalisiert. „Wir wissen heute genau, wo im Netz was verbaut wurde – Experten nennen das 'Traceability im Rohrnetz'.“

Parallel werden Trassierungsmöglichkeiten eines zukünftigen Wasserstoff-Backbone-Rings durch Hanau geprüft. Dr. Mosbach dazu: „Wir stehen vor komplexen Herausforderungen, denn bei der Trassenführung müssen wir zahlreiche infrastrukturelle und natürliche Gegebenheiten berücksichtigen. Besonders anspruchsvoll sind dabei die Querungen von Bahnlinien, Gewässern und Autobahnen, da diese technisch aufwendig sind. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige und zuverlässige Wasserstoffinfrastruktur zu schaffen, die diese Hindernisse bestmöglich meistert, potenzielle Großkunden erreicht und gleichzeitig den städtischen Raum möglichst wenig belastet.“

Als Partner am Flow-Projekt beteiligt.

Beim Thema Flow-Projekt – einer der wichtigsten Wasserstoff-Initiativen zum Aufbau des Wasserstoffkernnetzes in Deutschland – zeigt sich der Bereichsleiter Netze Gas/Wasser entsprechend motiviert. Teile des geplanten Wasserstoffkernnetzes verlaufen direkt an Hanau vorbei, und die Hanau Netz GmbH ist assoziierter Partner des Projekts. „Für uns ist die geografische Nähe zum Flow-Projekt ein großer Vorteil“, erklärt Dr. Mosbach. „Der Anschluss an das Kernnetz liegt praktisch vor der Tür, wir sind mit den anderen Akteuren gut vernetzt, haben unsere Ansprechpartner und arbeiten aktiv im Netzwerk mit. Das verschafft uns beste Voraussetzungen.“

Er betont auch die praktischen Vorteile dieser Zusammenarbeit: „In einer Trasse, die direkt unter dem Main verläuft, können wir neben der Wasserstoffleitung des Kernnetzes auch eine große Trinkwasserleitung mit verlegen. Das ist in Sachen Effizienz und Wirtschaftlichkeit eine wirklich tolle Sache.“

»Wenn das Flow Projekt startet, wird das Thema Wasserstoff in Hanau richtig Fahrt aufnehmen.«

Zwischen technischer Bereitschaft und wirtschaftlicher Realität.

Trotz der technischen Vorbereitung bleibt Dr. Mosbach am Boden der Tatsachen: „Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit noch nicht eindeutig definiert.“ Zwar gebe es grundsätzlich Interesse bei sämtlichen potenziellen Großabnehmern, doch angesichts fehlender Preisindikationen zeige sich auch Zurückhaltung. „Niemand möchte aktuell allein den ersten Schritt gehen – ein klassisches Henne-Ei-Problem“, sagt er.

Nichtsdestotrotz wurde bereits ein konkreter Umstellungsplan erarbeitet. Unter der Voraussetzung von Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit erklärt Dr. Mosbach: „Wir wissen, wo wir beginnen würden, um anschließend mit technisch überschaubarem Aufwand das Bestandsnetz auf Wasserstoff umzustellen.“ Ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitungen ist dabei die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt. Gemeinsam wurde der Transformationspfad für die schrittweise Umstellung des Netzes entwickelt. Die Verbindung von Theorie und Praxis soll realistische Umsetzungsstrategien ermöglichen.

Eine Hand zeigt auf eine detaillierte Karte des Gasnetzes.

Der Blick nach vorne.

Dr. Mosbach schaut mit Zuversicht in die Zukunft. „Die Voraussetzungen in Hanau sind insgesamt sehr gut. Wir sind technisch vorbereitet, verfügen über die nötigen Netzstrukturen und sind regional günstig angebunden. Wann und wie der Startpunkt für eine tatsächliche Umstellung sein wird, hängt daher eher von externen Faktoren ab.“

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